Erster Schultag für alle nach Corona-Lockdown

Malstatter Schüler nehmen Corona-Regeln
mit Gelassenheit hin

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 25.06.2020

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot traf bei ihrem Rundgang durch die Grundschule Rastpfuhl auf eine kleine Gruppe Kinder, die auf ihre Weise kreativ mit der Abstandsregel umgeht: Ein buntes Seil an den richtigen Stellen in den Händen erinnert sie, sich nicht zu nah zu kommen. Foto: Iris Maria Maurer

 

Saarbrücken Zum ersten Schultag für alle Schüler nach der Corona-Schließung hat Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot die Grundschule Rastpfuhl besucht.

Von Alexander Manderscheid

Der 25. Mai war für viele bestimmt ein eigenartiger Tag: früh aufstehen, Kakao trinken und raus, während das frühmorgendliche Vogelkonzert läuft – kennen die meisten Kinder nur noch aus der Erinnerung. Aber am Montag galt’s: Nachdem die Viertklässler schon seit Wochen in die Schule dürfen, waren heute auch die anderen dran.

Aber alle anderen war vielerorts gar nicht möglich: Die Schulen müssen auf Anweisung des Bildungsministeriums Maßnahmen umsetzen und auf die eigenen Gegebenheiten abstimmen, damit sie der Situation der Corona-Pandemie gerecht werden. Ganz wichtig: Abstand halten. Damit muss auch die Grundschule Rastpfuhl umgehen, die am Montag einen Besuch der Ministerin des Saarlandes für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot, erwartete. Die Ministerin, die selbst eine Drittklässlerin in einer anderen Schule als Tochter hat, wollte sich die Lage vor Ort ansehen und fand vor allem sehr gelassene Jungen und Mädchen vor, die entgegen allgemeiner Befürchtungen, Abstandsregeln seien nichts für Kinder, großartig damit umgingen.

Allerdings waren nicht alle da. Zwischen 197 und 207 Schüler besuchen die Grundschule Rastpfuhl. Die Zahl schwankt, weil ein Frauenhaus, der Margarethenstift mit einer Wohngruppe und weitere Einrichtungen kurzfristig Kinder schicken können. Am Montag kamen von den bis zu 207 knapp 100. „Wir haben die Klassen geteilt“, sagt dazu die Schulleiterin Eva Müllenbach, die mit Konrektorin Ulrike Kremp und Schulrätin Silke Möckl die Ministerin durch die Räume führte. Das Prinzip: Die eine Häfte ist in gebotenem Abstand zu einander im Klassenraum und lernt, die andere zu Hause. Nach jeweils einer Woche wird getauscht. Der Teil, der nach Hause wechselt, bekommt ein Lernprogramm von den Lehrern mit. Letzteres ist schon erprobt, musste die Schule doch auch in der Phase, in der sie geschlossen war, den Kindern Lernstoff vermitteln, was bei der bunten Mischung der Schüler gar nicht so leicht war: Manche Familien sprechen kein Deutsch, manche waren nicht zu erreichen, andere wiederum haben kein Internet – da mussten die Lehrer sogar mal ans Fenster klopfen und Kopien rüberreichen. Aber es hat geklappt, sagt Müllenbach stolz.

An einem Punkt hat die Schule aber richtig Glück: Neben genügend Personal hat sie im Gegensatz zu anderen Schulen viel Platz, es gibt sogar einen Garten und zwei große Gebäude. Die derzeit noch wenigen Schüler können sich im Unterricht, in den Betreuungs- und Fördergruppen prima aus dem Weg gehen. Die Pausen sind gestaffelt, wenn eine Gruppe nach draußen muss, nimmt sie schon mal ein zusammengeknotetes Seil so in die Hand, dass niemand das Abstandhalten vergisst. Und wenn alles klappt, dürfen bald auch mehr Schüler gleichzeitig kommen. Das sei in manchen Fällen sehr wichtig, sagt Müllenbach, weil bestimmte Kinder aus familiären Gründen auch dringend mal von zu Hause wegkommen sollten. Außerdem freuten sie sich auf ihre Freunde. Dass sich die Situation aber insgesamt bis zu den Sommerferien normalisiert, bezweifelt Ministerin Streichert-Clivot, die auch andere Schulen besucht: „Davon ist im Moment nicht auszugehen.“